Filme

Das kroatische Kino nahm seinen Anfang zwar erst im Laufe des 20. Jahrhunderts, hat sich inzwischen aber längst einen Namen als innovative, tiefgründige und bisweilen bitter-humorvolle Filmschmiede gemacht. Wenig verwunderlich ist es dabei, dass vor allem die politischen Ereignisse der 1990er Jahre in all ihrem Facettenreichtum das geläufigste Sujet des kroatischen Kinos stellen – der Krieg und die persönlichen Tragödien, die von einem Großteil der Einwohner des Landes nicht nur durcherlebt wurden, sondern auch nach wie vor erinnert werden, sitzen tief in der kroatischen Erinnerung. Ihre Aufarbeitung erfolgt unter anderem auf der Leinwand.

Einer der bekanntesten kroatischen Filme der letzten Jahre ist der Film „Tu“ (dt. Hier) aus dem Jahr 2003. Der Gewinner des Milaner Filmfestivals 2004 porträtiert auf einfühlsame Weise und anhand einer Handvoll von Einzelschicksalen, die von der gescheiterten Schauspielerin bis hin zum von seiner Familie entfremdeten Soldaten reichen, die unmittelbare Nachkriegszeit in Kroatiens Hauptstadt Zagreb. Es ist ein Film über das jüngste historische Erbe Kroatiens, über Generationenkonflikte und nicht zuletzt über menschliche Schicksale, wie sie jedem von uns bekannt sind.

Ähnlich beliebt ist auch die humoristische Politsatire Maršal (dt. Marschall Titos Geist) aus dem Jahr 1999. Auf einer verschlafenen Adriainsel vor der kroatischen Küste kommt es zu wiederholten Sichtungen des Geistes des berühmten jugoslawischen Herrschers – ein Phänomen, das der junge Polizist Stipan idealerweise zur Errichtung eines Tito-Themenparkes nutzen möchte. Das entspricht jedoch nicht so ganz den Erwartungen der altehrwürdigen Partisanen, welche die Insel bewohnen – welcher Kompromiss letztlich gefunden wird, verrät der Film am besten selbst.

Eine sehr kritische und zum Nachdenken anregende Verfilmung der heutigen Gesellschaftssituation in Kroatien ist der Film Metastaze aus dem Jahr 2009. Wie sein Titel schon verrät, porträtiert er die kroatische Nachkriegsgesellschaft als ein an Krebs erkranktes Gebilde, dessen Jugend einer Spirale aus Drogen, Gewalt und ethnischem Hass verfällt. Der Grundton des Films lässt wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu und spiegelt den Kulturpessimismus wieder, der bisweilen in Kroatiens Kunstszene entdeckt werden kann.

Ähnlich stark mit gesellschaftlichen Problemen und dem Drogenmilieu des Landes beschäftigt sich der Film „Ta divna Splitska noć” (dt. Eine wunderbare Nacht in Split). Drei verschiedene Akteure und ihre Geschichten werden am Silvesterabend in Split verfolgt, begleitet von den stimmungshaften Bildern eines Konzerts des bekannten kroatischen Sängers Dino Dvornik und den nächtlichen Feuerwerken, die ungeachtet der dargestellten persönlichen Schicksale das neue Jahr einleiten. Der Film, der mehrere nationale Filmpreise gewonnen hat, wurde fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gedreht und besticht mit bewegenden Szenen und einer einzigartigen, melancholischen Atmosphäre.

Freunde von Independent-Filmen und Low-Budget-Produktionen, die in erster Linie mit ihrer Kreativität, ihren unentdeckten schauspielerischen Talenten, ernsten Sujets und stimmungshaften Bildern überzeugen, werden mit Sicherheit große Freude am kroatischen Kino haben. Zu empfehlen ist auch ein Besuch der jährlichen Filmfestivals in Kroatien, die unter anderem in Split, Zagreb und Pula stattfinden. Wer sich stattdessen den Leistungen kroatischer Schauspieler widmen möchte, der kann unter anderem den Hollywoodgrößen Eric Bana und John Malkovich folgen – beide haben kroatische Vorfahren und halten die Verbindung zur Heimat ihrer Familien gerne und bewusst aufrecht.

 
Folge uns auf Twitter